Minimalismus Franz Abächerli

Wikipedia schreibt dazu: "Minimalismus [..], bezeichnet einen Lebensstil, der sich als Alternative zur konsum­orientierten Überflussgesellschaft sieht. Seine Anhänger versuchen, durch Konsumverzicht Alltagszwängen entgegenzuwirken und dadurch ein selbstbestimmteres, erfüllteres Leben zu führen."

 

Heute nutzen viele dauernd ihr Smartphone. Die Mails werden gecheckt, der Börsenkurs läuft auf dem Ticker, mit der besten Freundin werden mit WhatsApp wichtige (oder weniger wichtige) Dinge beredet, Twitternachtrichten müssen gelesen werden, das Facebookprofil braucht dauernde Aufmerksamkeit, usw usf. Und all dies muss augenblicklich gemacht werden, wehe man lässt die Freundin zehn Minuten warten mit der Antwort!

Nun, ich weiss nicht, vielleicht ist das auch eine Generationenfrage aber ich nutze mein Smartphone selten und vor allem anderes. Lange hatte ich ein uraltes Handy, damit konnte ich telefonieren, SMS versenden und es hatte eine Weckerfunktion. Ich habe beruflich mit Jugendlichen zu tun. Die einfachste Kommunikation mit ihnen ist meist über WhatsApp, Mailadressen haben Sie zum Teil gar keine mehr oder [OT] "Ja, habe ich aber ich weiss das Passwort nicht mehr." Darum und auch um Up to date zu sein, habe ich mir vor fast zwei Jahren auch ein Smartphone gekauft - das billigste, das damals zu finden war.

Nun, wie sieht mein (privater) Nutzen aus. Ich telefoniere damit, versende SMS (ja immer noch) und nutze manchmal auch WhatsApp. Dazu mache ich ab und zu mal ein Foto und noch seltener nutze ich damit Internet. Dafür ist der Bildschirm für mich schlichtweg zu klein. Bin ich unterwegs, lasse ich häufig das Smartphone zu Hause. Wozu soll ich es mitnehmen? Ruft mich jemand an, kann ich dann am Abend zurückrufen, ebenso Nachrichten per SMS oder WhatsApp beantworten. Habe ich mit jemanden abgemacht, muss ich ihm keine Nachricht schreiben, wenn ich das Haus verlasse. Ebenso wenig komme ich auf die Idee, im Zug sitzend zu schreiben "bin jetzt im Zug" und selbst wenn ich ein paar Minuten vor dem verabredeten Zeit am Treffpunkt bin kann ich warten ohne zu schreiben "bin schon da, wann kommst du?". Es geht. Wenn man möchte.

Vieles finde ich viel bequemer am PC zu erledigen: Mails abrufen und schreiben, News lesen, Blog lesen, Blog schreiben, selbst Facebook nutze ich nur am PC. Es ist viel einfacher und schneller, etwas zu schreiben und der Bildschirm ist gross und alles ist so übersichtlich. Keine Ahnung, das ist vielleicht wirklich das Alter oder halt die Gewohnheit. Nein, nicht nur. Dazu kommt meiner Meinung nach, dass es mir reicht, zum Beispiel die Mails ein Mal pro Tag abzurufen. Dann nehme ich mir die Zeit, den Text wirklich zu lesen und konzentriere mich auf die Antwort. Ich tippe sie eben nicht schnell noch, bevor der Zug einfährt oder mit einem Ohr gleichzeitig einer Unterhaltung folgend. Echtes Multitasking gibt es eben doch nicht. Die Intensität und Qualität leidet auf jeden Fall darunter.

So bin ich der Herrscher über mein Smartphone und nicht umgekehrt.

Typisch für den Jahreswechsel sind Vorsätze – oder muss ich schreiben, waren? Heute höre ich häufig: „Ich nehme mir nichts vor, ich kann es eh nicht einhalten.“ - Zwischenbemerkung: Ja so wird das natürlich nichts. - Kein Wunder, findet man im Internet viele Tipps, wie man seine Vorsätze auch in die Tat umsetzen kann oder halt auch, dass man wirklich am besten darauf verzichtet. Letztgenannte Tipps sind aber vielleicht von der Werbeindustrie gesponsert. ;-) Dass aus dem Vorsatz, der noch schnell um 5 vor 12, in bereits feucht-fröhlicher Stimmung ausgedacht und gefasst wurde, vermutlich nichts wird, ist nicht überraschend. Wie geht es aber besser? Hier ein paar Gedanken dazu. Was bei dir funktioniert, musst du aber selber herausfinden.

Es scheint eine neue Rasse von Menschen zu entstehen (oder ist bereits entstanden?), der Homo Sapiens Immer-online.

Der Homo Sapiens Immer-online hat immer ein Smartphone und / oder Laptop / Tablet PC dabei. Im Restaurant, in der Bahn oder einfach auf einer Parkbank wird das Ding so aufgestellt, dass es den optimalen Empfang hat.

   
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