Minimalismus Franz Abächerli

Wikipedia schreibt dazu: "Minimalismus [..], bezeichnet einen Lebensstil, der sich als Alternative zur konsum­orientierten Überflussgesellschaft sieht. Seine Anhänger versuchen, durch Konsumverzicht Alltagszwängen entgegenzuwirken und dadurch ein selbstbestimmteres, erfüllteres Leben zu führen."

 

Ja, das geht, ganz gut sogar.  Ich muss vielleicht hinzufügen, dass ich nie ein Auto hatte, nicht mal einen Führerschein.

Ich habe mir mein Leben halt so eingerichtet, dass es geht. Den Einkauf für das tägliche Leben kann ich bei uns im Dorf erledigen. Da ist ein Weg zu Fuss in 5 - 10 Minuten zu bewältigen. Regnet es, nehme ich einen Schirm, schneit es eine entsprechend warme Jacke. Das musste ich auch schon Leuten  erklären, die sich das nicht vorstellen können.  Da höre ich dann solche Aussagen wie: "Immer Sommer fahre ich manchmal mit dem Fahrrad zum Einkaufen. Aber wenn ich es eilig habe oder eben, wenn es regnet oder schneit, kann ich mir das nicht vorstellen." Tja, für mich ist dies das Natürlichste auf der Welt. Dazu gehört natürlich auch, dass ich mich mit dem entsprechendem Angebot im Dorf zufrieden gebe. Also nix mit: "ich brauche halt zum Frühstück das ganz spezielle Jogurt, die ich nur in der Stadt, 40km entfernt, kriege." 

Manchmal kommt auch die Frage, wie ich das denn mit den grossen Einkäufen mache? "Welche grosse Einkäufe?" Als Beispiel wird dann ein neuer Fernseher, eine Getränkekiste oder Möbel aufgezählt. - Also, einen Fernseher habe ich nicht und brauche auch keinen, ich trinke viel Tee, Wasser (vom Hahnen) und ab und zu mal Fruchtsaft. Letzteren kaufe ich aber nicht Kistenweise, so dass auch dies ohne Auto zu erledigen ist. Meine Wohnung ist eingerichtet und ich werde wohl die nächsten 20 Jahren keine neuen Möbel kaufen. Obwohl: ein Stehpult würde mich noch reizen. Aber für diese Ausnahme könnte ich bestimmt eine Hilfe organisieren.

Zur Arbeit geh ich auch häufig zu Fuss oder im Sommer mit dem Fahrrad. Als Alternative wenn es stark regnet oder eisîg kalt ist, steht mir die Regionalbahn zur Verfügung. Ich wohne auf einem Hügel, runter habe ich zu Fuss knapp mehr als eine halbe Stunde, am Abend hoch sind es dann rund dreiviertel Stunde. Auch da ernte ich immer wieder Erstaunen, ich glaube, einige belächeln mich sogar desswegen. "Mit dem Auto würdest du sehr viel Zeit sparen." habe ich schon mehrmals gehört. Das stimmt. Aber erstens, wofür Zeit sparen? Was machen denn die AutofahrerInnen mit der 'gesparten' Zeit. Wenn ich  lese, dass im Schnitt fast 4 Stunden pro Tag Fern gesehen wird, ..... dafür muss ich ja keine Zeit sparen. Und zweiten, stimmt das mit dem Zeit sparen wirklich? Wenn man genau ausrechnen würde, wie lange man zusätzlich arbeiten muss, um sich die Kosten für das Auto, den Unterhalt, den Garagenplatz etc. zu verdienen, bin ich mir da nicht sicher, ob das wirklich Zeit spart. In einer Diskussion im Internet hat vor kurzem jemand geschrieben, er sei zwingend auf das Auto angewiesen, weil er seinen Arbeitsweg von 600km anders nicht bewältigen könne. Sorry, aber wenn ich einen solch langen Arbeitsweg hätte, würde ich ganz schnell den Arbeitsplatz oder den Wohnort wechseln, oder beides. Nee, muss mir keiner kommen, er sei zwingend auf das Auto angewiesen (eine beeinträchtigt Person mal ausgenommen). Wer wirklich möchte, kann ohne Auto auskommen. Wenn jemand sagt, ich möchte nicht auf das Auto verzichten, .... OK, das ist eine andere Formulierung.

In Diskussionen erlebe ich immer wieder, dass viele ihr Leben auf Effizienz und Perfektion getrimmt haben. Beunruhigend, dass diese Maximen aus dem Kapitalismus auch das Leben vieler beherrschen und dies ohne, dass mir jemand sagen kann, was er/sie dadurch gewinnt. Schade, ist nicht Nachhaltigkeit das oberste Prinzip der Wirtschaft. Das könnte dann auch im Leben an erster Stelle stehen. Die Welt wäre ja schon fast paradiesisch.

 

 

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