Minimalismus Franz Abächerli

Wikipedia schreibt dazu: "Minimalismus [..], bezeichnet einen Lebensstil, der sich als Alternative zur konsum­orientierten Überflussgesellschaft sieht. Seine Anhänger versuchen, durch Konsumverzicht Alltagszwängen entgegenzuwirken und dadurch ein selbstbestimmteres, erfüllteres Leben zu führen."

 

Heute hatte ich eine interessante Begegnung im Tram (anderswo sagt man Strassenbahn).  Das war etwa so:

Ich war im Tram in Zürich unterwegs. Drei Jugendliche, ich schätzte sie so auf 15 Jahren, waren mit ihren Smartphons beschäftigt und zeigten einander etwas auf dem Bildschirm. Eine ältere Dame gegenüber sprach sie an und meinte: "Schade, dass ihr nur Zeit für solches Zeugs habt. Ihr müsst doch aktiv sein, etwas eigenes machen." Die Jugendliche schauten sie eher verständnislos an. Die Dame fragte weiter: "habt ihr keine Ideen, was ihr machen könnt? Ich meine, etwas auf die Beine stellen, Ziele für die Zukunft oder so?" Die Jugendlichen waren wohl froh, dass sie nun aussteigen mussten und werden sich ihre eigenen Gedanken zu dieser Dame gemacht haben.

Als nächstes war ein Mann an der Reihe, der bereits an der Türe stand um an der nächsten Haltestelle aus zu steigen. Die Dame: "Ja, früher, da hatten wir noch unsere eigenen Utopien und wir haben rebelliert. Die heutigen Jugendlichen sind ja so unkritisch." - "Ja, ja, früher war das noch anders, "murmelte der Mann. "Aber die Jugendlichen heute sind überhaupt nicht mehr aktiv, sie machen nichts mehr, sie spielen nur noch mit ihren Telefonen rum." Der Mann war wohl froh, dass in Zürich die Haltestellen zum Teil sehr nahe beieinander liegen und er auch gleich aussteigen konnte.

Eigentlich wäre das auch meine Haltestelle gewesen aber ich hatte noch Zeit (und eine Zonentageskarte) und wies die Dame auf ein Werbeschild gleich hinter ihr hin. Ein riesen Zufall: Darauf waren junge Erwachsene mit Smartphons - Werbung für ein Flatrate Abo. "Sie machen ja genau das, was ihnen von jeder Wand gepredigt wird: kauf ein Smartphone und du wirst glücklich. Oder dort, " ich kann auf eine Werbung für Kleider hinweisen, " kaufe die richtigen Kleider und du bist jemand. Genau das machen sie." Die Dame scheint mir schon etwas erstaunt und überlegt einen Moment: "Aber sie können doch nicht einfach nur kaufen und konsumieren, sie brauchen doch auch Ziele für ihr Leben." "Klar haben sie Ziele" , sagte ich, " da: eine Werbung für Urlaub in der Karibik. Davon träumen sie und und kümmern sich um eine gute Ausbildung, damit sie nachher einen gut bezahlten Job kriegen und sich sowas leisten können." Es entspannte sich dann eine Diskussion zu "Rebellieren gegen die Erwachsenenwelt" - "Wieso müssen sie, wenn ihnen diese Welt gefällt?" - "Sinn suchen" - "Machen das die Erwachsenen?" - "Wir Erwachsene müssten ihnen eine andere Utopie aufzeigen" bis die Dame dann auch aussteigen musste. Mir schien, sie war dann doch ein wenig nachdenklich.

Ich habe dann ganz bewusst nach Werbung Ausschau gehalten, normalerweise versuche ich, sie nicht zu beachten. Es ist erschrecken: in Zürich kann man wohl nirgends hinschauen, ohne  Werbung in irgend einer Form im Blickfeld zu haben. Nicht nur auf den üblichen Plakatwänden auch an jeder Bus - oder Tramhaltestelle, an Bus und Tram selber, an vielen Lieferwagen und LKW, da steht nicht einfach nur "Schreinerei xy", nein da ist ein riesiges Bild einer glücklichen Familie auf Möbeln der Schreinerei xy, im Schaufenster des Optikers sind nicht nur Brillen zu sehen, sondern auch grossformatige Bilder von strahlenden Menschen mit Brillen, der Uhrenladen zeigt ein grosses Bild eines lächelnden Mannes, der gerade ein altes Flugzeug besteigt, vermutlich ist er happy wegen seiner Uhr der Marke XZ, die ihn zu einem richtigen Abenteurer macht und so weiter und so fort.

Ich werde nachdenklich. Ich habe das Gefühl, ich lasse mich nicht von Werbung verleiten aber da werden nur in der Stadt Zürich sicher Millionen nur für Werbung ausgegeben. Das wird ja wohl nicht umsonst aufgewendet. Wirkt sie vielleicht doch? unbewusst? mhhh?

 

 

 

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