Minimalismus Franz Abächerli

Wikipedia schreibt dazu: "Minimalismus [..], bezeichnet einen Lebensstil, der sich als Alternative zur konsum­orientierten Überflussgesellschaft sieht. Seine Anhänger versuchen, durch Konsumverzicht Alltagszwängen entgegenzuwirken und dadurch ein selbstbestimmteres, erfüllteres Leben zu führen."

 

Achtsamkeit hört man oft und viele würden wohl unterschrieben, dass es wichtig sei, achtsam zu leben. Aber was ist das genau?

Als erstes Mal die (meine) Unterscheidung zwischen achtsam und bewusst leben:

 Achtsam leben <> bewusst leben

 Der Unterschied für mich ist, dass achtsam leben einen Moment beschreibt, während bewusst leben eher das gesamte Lebenskonzept beschreibt. Zu bewusst leben gehört als Beispiel die Erkenntnis, dass ich mit meinem Kaufentscheid oder mit meinem Lebensstil auf die eine oder andere Art und Weise Teil einer globalen Wirtschaft bin und damit auch einen (kleinen) Einfluss auf Produzenten irgendwo auf der Welt habe. Lebe ich bewusst, stelle ich mir auf Grund dessen eigene Regeln für mein Kaufverhalten oder generell für meine Lebensweise auf, beispielsweise keine Lebensmittel aus Übersee oder sparsamer Umgang mit Energie.

Lebe ich achtsam, dann stelle ich im Supermarkt fest, dass die exotischen Früchte aus Übersee gleich im ersten Regal der Früchteabteilung platziert sind und ich die regionalen Früchte irgendwo in der hinteren Ecke oder im untersten Regal suchen muss. Und ich nehme meine Reaktion darauf sehr bewusst wahr: reizt es mich, doch zu den exotischen Früchten zu greifen?

 

Wie werde ich achtsam?

 (Nein, das ist keine Anleitung, wie man es machen muss.) Es sind Gedanken, die für mich stimmen.

 - kein Multitasking

 Ein wichtiger Grundsatz scheint mir, sich auf eine Tätigkeit zu konzentrieren und nicht mehrere Sachen gleichzeitig zu machen. Das viel beschworene Multitasking funktioniert nicht, was schon mehrere Studien und Test bewiesen haben. Schreibe ich diesen Text, während ich gleichzeitig im Chat eine Unterhaltung mit jemanden führe, so erhalten beide Tätigkeiten weniger Aufmerksamkeit. Der Text und auch die Konversation verlieren an Qualität und Intensität.

 - stehen bleiben

 Muss ich mich orientieren, „wo bin ich?“ - „was geschieht um mich herum?“ - „wer ist sonst noch hier?“ - „was will ich hier?“, dann bleibe ich stehen und konzentriere mich auf das, was ich sehe oder höre. Was ich selten mache, dass ich auf den Geruch achte. Daran muss ich noch arbeiten. Je nach Situation ist mir auch die Frage: „wie geht es mir?“ wichtig. Gut, wenn ich im Supermarkt stehe und nicht weiss, wo ich Knäckebrot finde, dann lasse ich meine eigenen Gefühle aus. :-) Dann streife ich aber nicht ziellos durch die Gänge sondern schaue und überlege: „Da links ist die Fleischabteilung – nein, dort werde ich sicher kein Knäckebrot finden.“, etc. So reicht meistens ein rundum Blick um zu erkennen, wo ich fündig werde.

 - wahrnehmen mit allen Sinnen

 Wie ich oben schon beschrieben habe sind die Eindrücke der Sinne wichtig. „Was sehe ich? Was höre ich? Was rieche ich? Was spüre ich? Wie fühle ich mich?“ Die Frage nach dem Geschmack auf der Zunge stelle ich mir nur beim Essen oder Trinken, die lasse ich mal weg.

Beim Warten auf den Zug oder den Bus greife ich nicht zum Smartphone und beginne zu tippen und wischen, nein, ich schaue, was um mich herum passiert, wer da sonst noch wartet, was die machen, sehe den Blumengarten gegenüber, höre Vögel pfeifen (oder den Verkehrslärm) und achte auf die wärmenden Sonnenstrahlen. Dazu stehe ich auch bewusst hin. (Notiz an mich: warum schreibe ich hier „bewusst“ und nicht „achtsam“?) Das habe ich mal bei einer Schnupperlektion zu Qigong gelernt: fest mit beiden Füssen auf dem Boden stehen, leicht auseinander etwa schulterbreit, die Knie nicht ganz durchgestreckt, die Arme lose auf der Seite hängen lassen und die Schultern ganz leicht nach hinten gedrückt – aufrechter Kopf. Früher habe ich mich eher an eine Stange oder einen Pfosten gelehnt. Gut, das mache ich auch heute manchmal noch, wenn es mir aber bewusst wird, stehe ich gerade hin ohne mich anzulehnen. Das ist für mich achtsam warten und es hilft. So stresst es mich auch nicht, wenn über Lautsprecher eine Verspätung angekündigt wird. Ja, dann warte ich halt, bis der Bus oder Zug kommt. Es ist ja spannend, zu warten.

 - präsent sein

 Im Gespräch sei ich sehr präsent, wurde mir schon gesagt. Das hat wohl auch mit Achtsamkeit zu tun. Wenn ich mit jemanden rede, dann konzentriere ich mich voll auf diejenige Person. Ich nehme dabei bewusst und wohl auch unbewusst Gestiken und Schwankungen in der Stimme wahr, woraus dann ein Gesamtbild des Gegenübers entsteht – wie er/sie sich fühlt, wie wichtig ihr/ihm das Gesagte ist etc. Dazu braucht es für mich aber mehr als nur die Stimme zu hören oder gar auf elektronischem Wege geschriebener Text zu lesen. Vermutlich telefoniere ich darum nicht gerne, weil ich dabei nur die Stimme – zum Teil in eher schlechter Qualität – höre und so die Person sozusagen nur eindimensional wahrnehmen kann.

- einen Plan haben

 Was mir hilft, so glaube ich zumindest, dass ich mich vorbereite, bevor ich etwas neues anpacke und häufig auch einen Tagesplan mache – nicht bis ins letzte Detail verplant aber ich weiss zumindest, was ich heute machen will oder muss und wann ich in etwa wie viel Zeit einrechne dafür. So habe ich die Gewähr, dass ich nichts wichtiges vergesse und kann mich auf das konzentrieren, was ich gerade im Moment mache. Grosse „Vorhaben“ teile ich oft in einzelne Schritte auf. So ist es Schritt für Schritt überschaubar und ich fühle mich weniger erdrückt von einer riesigen Aufgabe.

Vieles vom hier Geschriebenen mache ich schon lange so, es entspricht auch meiner Person oder meinem Charakter. Einzelne Punkte habe ich mir wohl im Verlaufe des Lebens angeeignet, teils dank positiven Erfahrungen, teils weil ich es irgendwo so aufgeschnappt oder gelesen habe und in mein Handeln und Leben integriert habe. Vermutlich bin ich als junger Mann weniger achtsam durchs Leben gewandert aber das scheint mir normal zu sein.

   
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