Minimalismus Franz Abächerli

Wikipedia schreibt dazu: "Minimalismus [..], bezeichnet einen Lebensstil, der sich als Alternative zur konsum­orientierten Überflussgesellschaft sieht. Seine Anhänger versuchen, durch Konsumverzicht Alltagszwängen entgegenzuwirken und dadurch ein selbstbestimmteres, erfüllteres Leben zu führen."

 

Wir reden häufig von Konsum, meistens im Zusammenhang mit Konsumgesellschaft oder Konsumdenken. Was aber ist genau Konsum? Die Frage ist gar nicht einfach zu beantworten. Konsum kommt vom Lateinischen consumere und bedeuten verbrauchen, verzehren, verschlingen.


In der Wirtschaftstheorie wird Konsum als Aktivität, Kauf und Gebrauch von fabrikmässig hergestellten oder landwirschaftlicher Produkte definiert. Ausgenommen ist der Kauf oder Gebrauch um damit selber wieder Produkte herzustellen, beispielsweise eine Maschine. Das ist dann nicht ein Konsum – sondern ein Inverstitionsgut. Damit würde aber so ziemlich alles, was ein Mensch kauft, nutzt oder jede Dienstleistung die er in Anspruch nimmt als Konsum angesehen.

 
Im Alltag wird wohl meistens ein anderes Verständnis von Konsum vorhanden sein. Eine mögliche Definition ist: „Konsum ist jeder Kauf und jede Dienstleistung, die nicht zum (Über-)Leben benötigt wird.“ Denn, so das Argument, etwas zu Essen kaufen muss ich ja, damit ich nicht verhungere und ohne Kleider oder eine heizbare Wohnung würde ich im Winter wohl erfrieren. Allerdings wird „… nicht zum Leben benötigt wird.“ individuell unterschiedlich definiert und hat sich, wenn man zurück blickt, auch im Verlaufe der Zeit gewandelt. Möglich machte dies einerseits die Verbilligung der Produktion dank der Automatisation und das Vorhandensein von Geld im Überfluss für eine breite Masse. Auch haben sich die typischen Produkte der Konsumgesellschaft geändert. Während in der Nachkriegszeit vor allem Haushaltsgeräte wie Kühlschrank oder Waschmaschine, die die Hausarbeit erleichtereten oder ein Auto als Fortbewegungsmittel auf dem Wunschzettel standen, sind es heute vor allem Prestigeobjekte wie iPhone, Plasmabildschirm oder Kleider der „richtigen“ Marke, die begehrt werden. Gleichzeitig sorgt auch die Werbeindustrie, dass das Volk genau weiss, was es kaufen oder eben konsumieren muss.

 
Heute scheint der Spruch: „Ich konsumiere also bin ich.“ das Leitmotiv vieler zu sein.


Kritiker des Konsums gab es übrigens schon sehr früh. Waren es zu Athens oder Roms Zeiten eher Philosophen, die die dekadente Lebensweise der Oberschicht kritisierten (der grosse Rest der Bevölkerung kämpfte dagegen ums Überleben), wurden sie später von den kirchlichen Würdenträger abgelöst. Wobei die Kritik eher vom niederen Klerus oder Mönche kamen, die Bischöffe und Kardinäle lebten teilweise in Saus und Braus. In der Neuzeit wiesen dann Sozialisten darauf hin, dass der Konsum Teil oder sogar Bedingung ist für das Aufrechterhalten des ausbeuterischen wirtschaftlichen Systems. Heute kommt die Kritik an der Konsumgesellschaft häufig von ökologischer Seite. Sie weisen auf die Ressourceverschwendung und Umweltverschmutzung hin. Im State of the World Report 2010 wird der weltweite Konsum als „Klimakiller Nummer Eins“ genannt.
   
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